TERRITORY Embrace

Die Frau für neue Wege

TERRITORY Embrace ist ein 200-köpfiges Unternehmen mit Sitz in Gütersloh und mitten im Bochumer Bermuda Dreieck. Frauen im Fokus sprach – coronasafe im Videochat – mit Executive Director Business Development Ana Fernandez-Mühl, die aktuell überwiegend aus ihrem Gütersloher Homeoffice arbeitet. 


TERRITORY Embrace ist ein Geschäftszweig der Hamburger Agentur TERRITORY, die zum Gruner & Jahr Verlag gehört, der wiederum beim Medienriesen Bertelsmann angesiedelt ist. Die Gütersloher Einheit wurde 2011 gegründet und akquirierte 2016 ein Bochumer Start-up – eine perfekte Ergänzung im digitalen Schüler- und Studierendenmarketing mit Plattformen wie Ausbildung.de, MeinPraktikum.de oder Trainee.de. 

„Heute ist TERRITORY Embrace außerdem eine der erfolgreichsten Agenturen für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting“, ergänzt Ana Fernandez-Mühl. Ihre Aufgabe ist es, neue Geschäftsfelder und -modelle für TERRITORY Embrace zu erschließen: Ich bin sozusagen die Frau für die neuen Wege. In diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Thema Digital Recruiting. Wir sehen, dass klassische Stellenanzeigen online nicht mehr so gut funktionieren. Nun möchten wir Unternehmen darin fitmachen, bei der Personalsuche digitale Möglichkeiten optimal zu nutzen, etwa Suchmaschinenoptimierung, Metasuchmaschinen oder Social Media Marketing. So werden potenzielle Kandidat*innen in ihrer Lebenswelt angesprochen, die von unterschiedlichen digitalen Medien geprägt ist.“

 

Von Gütersloh in die weite Welt – und zurück 

Sich selbst bezeichnet Ana Fernandez-Mühl als „ostwestfälische Spanierin“, denn sie kam als Kind mit ihrer Familie aus Spanien nach Ostwestfalen. „Eigentlich wollte ich nach dem Abitur raus in die weite Welt. Aber dann bekam ich einen Platz im damals ganz neuen dualen Studiengang in International Management bei Bertelsmann, also quasi direkt vor der Haustür. Es war ein tolles Pionierprogramm in einem spannenden Konzern, und das bei vollem Gehalt und mit einem Auslandsaufenthalt inklusive. Da konnte ich nicht nein sagen“, schmunzelt sie. Das ist nun knapp 20 Jahre her, und nach mehreren Stationen bei Bertelsmann folgte 2011 der Weg in die Agenturwelt – Sabbatical inklusive. „Das nutzte ich zum Masterstudium in den USA. Nach einem Jahr war ich dann wieder zurück.“ 

Später nahm sie zwei weitere einjährige Auszeiten, jeweils nach der Geburt ihrer Kinder – für ihren Arbeitgeber kein Problem. „Es ist wichtig und hilfreich, wenn man wie ich einen Chef hat, der versteht, dass man zwei Dinge gleichzeitig sein kann: engagierte Führungskraft und engagierter Elternteil. Aber klar, wer beides leben möchte, muss sehr flexibel sein. Als mein Sohn klein war, habe ich zum Beispiel Gespräche mit Bewerbern in die Abendstunden gelegt. Dafür gehörten die Nachmittagsstunden dann meinem Kind. Man muss viel organisieren, Regelungen finden und vor allem kommunizieren.“ 

 

Lebensgerechtes Arbeiten 

Gemeinsam mit der Frauenzeitschrift „Brigitte“ führte TERRITORY Embrace bereits dreimal eine große Studie zum Thema „Die besten Arbeitgeber für Frauen“ durch. Befragt wurden 257 Unternehmen, vom Kleinunternehmen bis zum DAX-Konzern, von denen immerhin 182 Spitzenbewertungen erzielten. Einer der wichtigsten Parameter war die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 

Dabei spielt der Fachkräftemangel den Bemühungen der Unternehmen in die Karten, wie Studienleiterin Ana Fernandez-Mühl, die die Studie federführend begleitete, zu berichten weiß: „Auch kleine KMU machen die Erfahrung, dass sie für eine Position weniger gute Bewerbungen bekommen. Oder sie haben beispielsweise eine tolle Frau an einer bestimmten Stelle, die schwanger wird. Die Frau möchte ihren Job gerne weitermachen, aber eben nicht unter den gegebenen Bedingungen mit unflexiblen Zeiten und fest vorgeschriebenem Arbeitsort. Wenn das KMU sie halten möchte, muss es umdenken und die Dinge anders, sprich lebensgerechter organisieren. Das kommt schließlich auch den Männern zugute, wenn sie ebenfalls für eine begrenzte Zeit aus dem Job wollen, um sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.“  

Auch wenn sich diesbezüglich vieles nur im Schneckentempo weiterentwickelt, überwiegt bei Ana Fernandez-Mühl der Optimismus:In den letzten Jahren hat sich einiges bewegt, und wir sind auf einem guten Weg. Die Vorstandsquote zum Beispiel, das Entgelttransparenzgesetz, das Thema Elternzeit – da ist manches passiert, das für Frauen Karrierepfade eröffnet.“ Wichtig sei ihrer Ansicht nach, dass ein Unternehmen das Thema von oben in die verschiedenen Ebenen weitergibt. Womit die 39-Jährige bei einem wichtigen Tipp für junge Akademikerinnen am Beginn ihrer Laufbahn ist: „Ich rate jungen Frauen, sich die Unternehmensstrukturen genau anzuschauen: Gibt es dort ein erkennbares Bewusstsein für das Thema? Sind da Frauen im Top Management? Weibliche Führungskräfte? Womöglich welche mit Kindern? Wie weit haben es Frauen in diesem Unternehmen schon geschafft?“

 

Transparenz im Unternehmen 

Und auf Unternehmensseite? Auch dort könne man Weichen stellen, um Frauen in gute Positionen zu bringen. Davon profitiere das Unternehmen unterm Strich. „Unternehmen können darauf achten, dass es in ihrem Hause keinen Gender Pay Gap gibt. Transparenz ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort, zum Beispiel was die Beförderungskriterien und die Gehälter angeht. Das kann etwa durch festgelegte Gehaltsbänder geregelt sein, also für Position X ist dieses Gehaltsband zuständig, innerhalb ist die Seniorität entscheidend –, die auf jeden Fall geschlechtsunabhängig sind. Um Benachteiligungen aktiv zu vermeiden, ist es für KMU ratsam, solche Dinge klar festzuschreiben. Auch weil es tatsächlich so ist, dass KMU sich – salopp ausgedrückt – mittlerweile wirklich in die Kurve legen müssen, um mit größeren Konzernen mitzuhalten und trotz Fachkräftemangel gute Leute zu rekrutieren.”

Ana Fernandez-Mühls abschließender Rat in Richtung Unternehmen: „Sie sollten insgesamt beweglicher werden, was ihre Strukturen angeht. Sie sollten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, beides zu sein – also engagierte Führungskräfte und engagierte Eltern oder passionierte Fußballer oder Menschen, die ihre Freunde gerne regelmäßig sehen usw. Denn richtig gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fragen sich heute, wie gut passt das Unternehmen zu mir und meinem Lebensentwurf und nicht umgekehrt.“ 

 

„Ich rate jungen Frauen, sich die Unternehmensstrukturen genau anzuschauen: Gibt es dort ein erkennbares Bewusstsein für das Thema? Sind da Frauen im Top Management? Weibliche Führungskräfte? Womöglich welche mit Kindern? Wie weit haben es Frauen in diesem Unternehmen schon geschafft?
Ana Fernandez-Mühl

Executive Director Business Development, TERRITORY Embrace

Infos zu TERRITORY Embrace

TERRITORY Embrace ist eine Agentur für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting;  ist außerdem Marktführer im digitalen Schüler- und Studierendenmarketing mit Sitz in Gütersloh und Bochum. Die Belegschaft ist zu ca. 60 Prozent weiblich. Der Frauenanteil in der Geschäftsleitung liegt bei 30 Prozent 

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